Tentacularity is about life lived along lines   –
and such a wealth of lines   –   not at points, not in spheres.

–   –   –   Donna Haraway

 
 
(UN)GEMEIN FESSELNDES
Eine Lecture-Performance von luhmen d’arc

Verbinden, Vernetzen, Verstricken, Verwickeln, Verknüpfen – Das Leben entlang der Linien ist auch ein Leben entlang der Seile. Seile? Was können denn Seile?! Sie sind prima Werkzeug, besonders fesselnd sind sie jedoch im Fesseln! Dabei wollen doch sonst alle ihre Fesseln sprengen: ungebunden, unabhängig, freier Fall.
Wir möchten Euch um den Finger wickeln und etwas über das Verschnüren erzählen und zeigen: Bondage zwischen Bonding und James Bond – der Reiz der Fesselkünste in ihrem paradoxen Effekt, gerade im Nicht-mehr-Können erst so vieles zu ermöglichen!
Und so gibt es nebst einer Lecture-Hommage an das Fesseln als Kink, Kunst und Kulturpraxis auch die Möglichkeit, sich performativ mit dem eigenen Leib einem zunächst scheinbar trivialen Material wie dem Seil hinzugeben und sich vom Zauber des ‚Nicht-mehr-können‘-Könnens zu überzeugen.


Das Konzept: Wir bitten unsere Gäste zu überlegen, was sie gerade bei sich haben, das sie auf eine Weise fesselt – verstanden als wohlige Bindung oder einengende Belastung. Das könnte sein: der Ehering der ein Bonding symbolisiert, das Smartphone an dem man immer hängt, der einschnürende Büstenhalter, das Freundschaftsarmband, ein Geldschein, … Das Verbindende und Verstrickende dieser Objekte wollen wir ins Bewusstsein bringen und die Dinge zeremoniell aufladen, reinigen und mit frischer Achtsamkeit wieder an ihre Besitzer*innen zurückwandern lassen. Matís nimmt die Objekte entgegen und hinterlässt am bei der Person so entstandenen Vakuum eine Spur aus Schnur – und fesselt den Ort der Abgabe. Aus der Kollekte wird peu à peu ein Mobile zusammengeflickt, das den gesamten Raum vernetzt. Währenddessen liest Beata im Geschichtenerzählersessel ihre Kollekte aus Textsammlungen vor, in denen das Fesseln als Motiv eine entscheidende Rolle spielt: das Schicksalsseil der Nornen aus Wagners Ring der Nibelungen; Roland Barthes Faszination für Klaustromanie in der Literatur, Winnicotts psychotherapeutisches Interesse für den Fessel-Spleen eines 11jährigen Jungen, Ilse Aichingers Parabel vom Gefesselten, Donna Haraways Lob der String-Figure-Spiele, Hito Steyerls Vergleich von Fesselungen in Guantánamo und in BDSM-Kontexten, Homers Auszug aus der Odyssee, in welcher sich der Held an den Mast seines Schiffes binden lässt um dem Gesang der Sirenen zu lauschen, oder Beate Absalons Versuch einer phänomenologischen Beschreibung der klanglichen Dimensionen von Fesselszenerien. Alles ist untermalt von tranceartigem Seilknarzen. Am Ende knallts und wird bunt.

 
Idee, Konzept & Performance: Beata & Matís
Fotos: Martin Oskar Kramer

 
 
VORSTELLUNGEN:

11.04.2019 – Bar „Göttin der Weisheit“, Lenaustraße 5, 12047 Berlin – Neukölln / Deutschland

10.01.2020 – 19:30 Uhr – Kulturhaus Helferei, Kirchgasse 13, 8001 Zürich / Schweiz
Eintritt: 15 CHF     >> zur Kartenreservierung

 
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