„S/M is play, theater, communication, intimacy, sexuality. It combines the child’s
urge for make-believe with the adult’s ability to take responsibility and the
adult’s privilege of sexual reward. S/M at its best represents a remarkable
convergence of civilized agreements and primitive urges. We believe it
to be a very high achievement of the human body, mind and spirit.“

–   –   –   Dossie Easton & Janet W. Hardy: “The New Book on Bottoming“

 
 
UNSERE ARBEIT…

…speist sich aus der Begeisterung für Begegnungen, in denen Sexualität(en) – was auch immer das bedeuten mag – auf verspielte, experimentelle, freundliche, unverschämte Weise Bedeutung bekam. Räume, in denen dem ganzen Spektrum an Intimität, Sinnlichkeit und Begehren Tribut gezollt wurde: ihren schönen, merkwürdigen, heiteren, aufregenden, irritierenden, trivialen, komplexen, bescheuerten, beängstigenden, beflügelnden Aspekten. Diese Adjektiv-Reihe ließe sich endlos fortführen. Weil sich Sexualität einfach nicht endgültig fassen lässt. Je mehr man sich damit beschäftigt und in ihren Strudel ziehen lässt, umso mehr Fragen tauchen auf – und umso mehr Begeisterung auf unserer Seite, neugierig wohlwollend weiter zu fragen, zu fühlen, nachzudenken, auszutauschen. Deswegen gestalten wir seit einigen Jahren Formate, in denen das gemeinsam mit anderen Entdeckergeistern möglich ist. Diese explorativen Räume umfassen Workshops, Sessions, Playparties, Performances; gewidmet den vielfältigen Aspekten von Intimität und Begehren, von erfinderischen Formen der Begegnung und Kommunikation und dem Entdecken neuer Sensibilitäten und Grenzen. Warum das alles? Weil Erzählungen darüber, was Sexualität sei, unsere Gesellschaft prägen – und in einer Welt die von Selbstzweifeln profitiert, können alternative Ansätze als Widerstand und Empowerment wirken.

 
Unser Begriff von Sexualitäten ist weit gefasst und verlässt gerne das vorherrschende Skript aus Vorspiel –> Genitalpenetration –> Orgasmus. Eigentlich wissen wir gar nicht so recht, wo Sex anfängt und wo aufhört, weil es so viele Formen annehmen kann. Am liebsten nehmen wir das in den Blick, was für unseren Geschmack oft zu wenig thematisiert wird. Deswegen haben wir beispielsweise einen Workshop wie „On Silly Play“ kreiert, weil wir gemerkt haben, dass Erotik oft mit etwas sehr Ernsthaftem konnotiert wird – demgegenüber müssen wir aber auch oft lachen oder finden sexuelle Situationen merkwürdig, komisch, albern – und möchten genau das als Kraft und Potential anzapfen, um mehr Platz für Lust, Selbsterfahrung, Empowerment und gutes Miteinander zu schaffen und letztendlich Lebensqualität zu erhöhen. Dieses Anzapfen ist Grundlage all unserer Formate. Aber wie machen wir das konkret?

 
Zunächst lernt man bei uns so etwas wie Techniken und basic know-how. Welche Knoten benutze ich beim Fesseln? Welche Massagegriffe gibt es? Wie kommuniziere ich ein „Nein“? Wie raufe ich sicher? Es ist uns ein Anliegen, solches Wissen nicht nur trocken zu vermitteln, sondern praktisch ausprobieren zu lassen und dabei das eigene kreative Potential zu fördern: wir stellen vor, was sich für uns bewährt hat, aber individuell verändert und angepasst werden kann. Darüber hinaus sind diese Techniken Mittel zum Zweck. Was bedeutet das? Einige rote Fäden ziehen sich als Fragen durch alle unsere Kurse:

 

    1. Wie werden diese Techniken so eingesetzt, dass es zu einer sinnvollen / runden / interessanten / bedeutsamen Erfahrung wird? Wir nutzen Methoden aus der Kunst, denn letztendlich haben die Begegnungen, Spiele und Sessions, die wir die Teilnehmer*innen kreieren lassen, etwas mit Rhythmus, Dynamik, Choreographie, Dramaturgie und Narration zu tun. Wir wissen, wie sehr man den Unterschied spüren und sehen kann, ob Berührungen einerseits willkürlich oder als unbedachtes Kopieren eines Bildes erfolgen, oder andererseits mit Präsenz und Sinnhaftigkeit; Berührungen, die einem etwas erzählen, sich entwickeln, Anfang und Ende haben, aus dem Hier und Jetzt und den einzelnen Personen entspringen. (Trotzdem soll das Sinnvolle nicht überstrapaziert werden, weil wir wissen, dass das Befreiende an Erotik auch in ihrem Zweckfreien und gewissermaßen Sinnlosen liegt.) Was unsere Arbeit ebenso begleitet, sind philosophische und kulturtheoretische Bezüge und Einbettungen. Deswegen geht es beispielsweise in unseren Bondagekursen auch um ein Verständnis für die Bedeutung von Verbindungen oder das komplexe Verhältnis von Aktivität und Passivität, dich sich in den Verschnürungen versinnbildlichen.

     
    2. Was will ich denn überhaupt? Was möchte ich jetzt mit genau dieser Person erleben? Was tut mir gut? Was möchte ich wirklich? Wie komme ich an Ideen? Diese Fragen scheinen Knackpunkte zu sein, wenn sich Menschen auf den Weg machen, ihr sinnliches Repertoire erweitern zu wollen. Sowohl in Workshops als auch in Sessions arbeiten wir deshalb immer auch mit in gewisser Hinsicht maßgeschneiderten Inhalten. Wir lassen Teilnehmer*innen darüber reflektieren, warum sie denn da sind und was sie erleben möchten, versuchen im Austausch miteinander und der Gruppe dem auf die Spur zu kommen (weil das oft verdammt schwer ist zu wissen!), machen Angebote, demonstrieren zur Inspirationszwecken, lassen Ausprobieren und Zeit zum Nachspüren und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Dabei verstehen wir uns immer auch als Mitforschende und distanzieren uns von Guru-Rollen (es sei denn, wir haben mal wieder hysterische Freude darin, dieses Stereotyp einfach mal zu performen und zu übertreffen https://www.youtube.com/watch?v=K5kD_vYnbe4). Gemeinsam üben wir uns darin, Wünsche, Bedürfnisse, Ideen und Phantasien zu formulieren und versuchen, diesen dann auch eine Form zu verleihen. Gleiches gilt für die Kehrseite: Was möchte ich nicht erleben? Und wie kommuniziere ich das? Neben dem „Wollen“ regen wir aber auch gerne dazu an, dass unsere Formate gerne auch mal Ausnahmezustände sein dürfen, dass (im gegenseitigen Einvernehmen) probiert werden kann, was aus der Form fällt oder nicht dem eigenen sonstigen Beuteschema entspricht.

     
    3. Wie schaffen wir für diese Abenteuer und Explorationen eine Umgebung, die möglichst sicher ist? Uns ist bewusst, dass die Behauptung von Sicherheit in solchen Räumen einerseits Schummelei ist, da jeder Sport, jede Persönlichkeitsentwicklung und jedes Betreten anderer Bewusstseinszustände mit gewissen Risiken einhergeht und andererseits dieses Risiko auch ein Lustfaktor all dieser Erlebnisse darstellt und es kontraproduktiv wäre, diesen zähmen oder pädagogisieren zu wollen. Darüber hinaus möchten solche Räume das willkommen heißen, was einfach da ist und im Alltag problematisiert wird – das können Tränchen, Wutausbrüche, Lachanfälle, Scham und ähnliches sein. Wir möchten das fühlen lassen, nicht heilen und trösten und wegmachen. Manches muss man einfach aushalten, aber als große Fans von Embodiment begleiten wir euch durch intensives Schütteln, Verrotztseindürfen und auf Matratzen einschlagen, um dem Luft zu machen – und meistens wird in unseren Kursen eigentlich ganz viel herzlich gelacht.
    Wir mögen es selber gerne herausgefordert und nicht andauernd mit Samthandschuhen angefasst zu werden – wenn der Umgang dann respektvoll ist und uns Kraft schenkt und uns wachsen lässt. So kann man feinfühlig sehr weit gehen. Was man da erlebt ist manchmal jenseits von Gut und Böse, aber missen möchte man es nicht. Nichtsdestotrotz geht es uns natürlich keineswegs darum, unnötige, dumme Risiken oder gar Traumatisches einzugehen. In unseren Kursen geht es deswegen immer auch um Safer Sex, Konsens, anatomische Hinweise beim Impactplay, ehrliche Kommunikation, Selbstverantwortung und die Verantwortung der Gruppe füreinander. Alle unsere Übungen sind Einladungen, die modifiziert oder ausgesetzt werden können, wenn sich jemand unwohl fühlt oder schlichtweg eine Pause braucht. No hard feelings. Wir bieten ein offenes Ohr, wenn es sein muss auch noch nach den Veranstaltungen. Wir intervenieren, wenn wir merken, dass etwas schief läuft und sich jemand nicht an Ausgemachtes hält und versuchen als Mediatoren durch schwierige Situationen zu navigieren. Das alles ist möglich durch Erfahrung, aber auch, weil unser Ansatz einer der Neugierde, Sympathie und Analyse ist, nicht der einfachen Affirmation oder spirituellen Beweihräucherung. Unser Ziel ist es, eine sichere und mutige Umgebung zu schaffen, in der Techniken durch Theorie, Kunstwerke und historische Materialien (re)untersucht und berauscht werden können.

 
Fortsetzung folgt…